Fasnat
– ein Versuch, dieses Wort zu definieren:
- „Fasnacht“
soll vom althochdeutschen Wort
„Fasen“, d.h. „fruchtbar sein“, abgeleitet
werden.
- Eine
andere Auslegung des Begriffes
„Fasnacht“ besagt, dass die erste Silbe
des Wortes verwandt sei mit dem Wort „faseln“, das soviel
heißt wie: dummes, unnützes Zeug tun,
kurz: Unsinn treiben.
-
Andere Brauchtumsforscher sind der Ansicht, das Wort „Fasnacht“
bezeichnet ursprünglich nur den Tag vor dem Aschermittwoch, also
die
Nacht vor dem Beginn der kirchlichen Fastenzeit – also auch
„Fastnacht“ bezeichnet.
(Tatsächlich erklärte gegen 600 nach Christus Papst Gregor
(der Große) den Aschermittwoch zum Beginn der Fastenzeit, um
ein Frühlings-Narrenfest zeitlich zu begrenzen und der Fasnat
einen christlichen Sinn zu geben.)
- Fasnat
kommt von Fastnacht, also die Nacht vor dem Fasten.
-
Aus dem bayerischen Gebiet kommt der Begriff Fasching,
der sich aus
dem vast-schance, einem Fastentrunk, ableitet.
Fasnat-Bräuche
Die
ältesten bekannten Faschingsbräuche sind Tänze und Gelage
in der Nacht vor Aschermittwoch.
Im 14. Jahrhundert kamen Rennen und Stechspiele zu Pferde hinzu.
Ab dem 15. Jahrhundert begannen Patrizier und Zünfte Maskenumzüge
zu veranstalten. In Anlehnung an Tier-, Teufels- und Hexenmasken, die
hierbei überwiegend verwendet wurden, kam es gelegentlich zu heftigen
Ausschreitungen.
Die
alemannische Fasnat wird hauptsächlich in Schwaben, Baden (Deutschland),
Vorarlberg (Österreich) und in der deutschsprachigen Schweiz gefeiert.
Die
alemannische Fasnatszeit an sich beginnt am 6. Januar (Dreikönigstag)
und nicht - wie im Rheinland - am 11.11. Am Dreikönigstag wird
die Fasnat mit viel Lärm verkündet. Dabei kommen besonders
Ratschen, Schellen (Glocken) und Karbatschen (lange Peitschen) zum Einsatz.
- GUMPIGO
ODER SCHMOTZIGO DUNNSCHTAG
Am Gumpigo oder Schmotzigo Dunnschtag" oder "Schmutzigen
Donnerstag", der örtlich auch "gumpiger" (gumpen
= hüpfen) beginnt die eigentliche Fasnat. "Schmotzig"
kommt nicht von "Schmutzig" sondern von "Schmotz",
was auf Alemannisch "Fett, Schmalz" bedeutet. Fasnat-Donnerstag
werden traditionell Fasnatsküchle in viel Fett gebacken.
Daraus leitet sich auch der alte Brauch des Bratenklauens
in Wolfurt ab. Früher – heute leider nicht mehr so oft
– versuchte man mit mehr oder weniger großem Erfolg, vorwiegend
den Nachbarn und Bekannten den (fetten) Braten vom heißen Herd,
aus dem Backrohr oder dem Kachelofen zu stehlen, um dann am Abend
– meist verbunden mit der Übergabe einer Flasche Wein –
die Töpfe und Pfannen den Eigentümern wieder zurückzugeben.
-
Der FREITAG trägt gelegentlich den Namen
Beramfreitag oder BROMIGO FRITAG.
Dieses Wort beruht auf dem Wort räm, das Ruß
bedeutet. Der rußige Freitag verdankt seinen Namen dem Brauch,
dass Narren versuchen, den Leuten das Gesicht zu schwärzen.
-
Der FASTNACHTSAMSTAG heißt Schmalziger
oder Schmalzsamstag, weil an diesem Tag die Schmalzküchlein
gebacken werden, die als Fasnachtskrapfen in unmittelbaren Zusammenhang
mit der Fettlebe der Fasnacht stehen.
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Der FASNATS-SUNNTIG (Rosensonntag) erhielt
seinen Namen im 11. Jahrhundert, weil an diesem Tag der Papst in Rom
mit einer goldenen Rose auf den Altan des Laternenpalastes trat.
-
Der MONTAG, auf den die Fasnachtsumzüge
am häufigsten gelegt werden, trägt in vielen Gebieten den
Namen FASNATS-MENTAG (Rosenmontag). Diese Bezeichnung stammt daher,
dass das Komitee, das die Umzüge des Kölner Karnevals vorbereitet,
am Fasnats-Sunntig (Rosensonntag) bzw. den ihm folgenden Fasnats-Mentag
(Rosenmontag) seine Generalversammlung abhielt.
Die
Fasnacht wird oft mit der Verbrennung der jeweiligen Symbolfigur beendet.
Unter großem Wehklagen geht die Fasnat in Flammen auf. Gewiss
handelt es sich beim Verbrennen im Mittelalterlichen Rechtsbrauch um
eine Strafe für widergöttliches Verhalten, auch wenn diese
Strafe durch den weltlichen Arm vollzogen wurde. Die bis ins 18. Jahrhundert
üblichen Hexenverbrennungen liefern für diesen Tatbestand
die historischen Belege. Es lag deshalb nahe, auch die in der Fasnacht
institutionalisierten Verstöße gegen das Gesetz Gottes auf
diese Weise zu ahnden, selbst wenn dies in einem Spiel geschah, dessen
Ernst heute vielleicht nicht mehr ganz nachvollziehbar erscheint.
Alemannisches Brauchtum
Düstere
Geisterheere und wilde Fasnachtszüge, prasselnde Frühlingsfeuer
und rauschende Winzerfeste, wilde Männer und einkehrende Tote:
Das Brauchtum der Alemannen zwischen Alpenhauptkamm und Rheinebene ist
urtümlich, archaisch und wild geblieben.
Die Alemannia
– ein Randgebiet im Herzen Europas
Von den moorigen Höhen der Vogesen bis zu den abgelegenen Almen
des Allgäus, von den mit finsteren Tannen bewachsenen Bergzügen
des Schwarzwalds bis zu den weißen Schneeriesen der Alpen, durch
den Rhein mit der kühlen Nordsee, durch die Rhone mit den warmen
Ländern des Mittelmeers und durch die Donau mit den Ebenen des
Ostens verbunden, siedeln seit über 1500 Jahren die Alemannen.
Auf fünf Staaten und unzählige Gaue und Talschaften verteilt
lebt dieses Volk, das nie einen eigenen Staat begründete und doch
durch gemeinsame Sprache und Wesensart verbunden ist. Im eigentlichen
Zentrum des modernen Europas gelegen finden sich nur wenige große
Städte. Zürich, Strassburg, Stuttgart, Basel vielleicht. Flaches,
fruchtbares Land, das viele Bewohner ernähren kann, findet sich
im Norden, wo sich die oberrheinische Tiefebene zum fränkischen
Land hin öffnet, am Neckar und im Schweizer Mittelland zwischen
Jura und Voralpen. Hier befinden sich heute die städtischen Ballungsräume,
wo nicht nur die Unterschiede zwischen den alemannischen Stämmen,
sondern zwischen europäischen, amerikanischen und orientalischen
Kulturen langsam verwischen.
Der Grossteil der Alemannia aber war und ist Peripherie. Die Alpen sind
trotz Tourismus mehr denn je eine Randregion, leiden unter Abwanderung
und der Rückkehr der Wildnis in die immer weniger gepflegten Alpen
und Wälder. Auch die Täler der Voralpen, des Schwarzwalds,
des Jura, der Vogesen, der schwäbischen Alb waren stets abgelegene
Gegenden. Die Viehwirtschaft war den Alemannen wichtiger als der Ackerbau,
die Streusiedlungen lieber als die großen Städte.
Letztere gehören zur Alemannia dazu, sind schmucke Perlen des Landes,
das Eigentümliche hat sich aber oft nur in entlegenen Tälern
erhalten können. Gerade in den Alpen haben Dialekte, Bräuche
und Gepflogenheiten aus ältester Zeit überdauert. Ihnen soll
im Folgenden unser besonderes Augenmerk gelten.
Brauchtum im Wandel: Heiligenverehrung oder heidnischer Kult?
Dem an verfeinerte folkloristische Formen wie etwa den städtischen
Karneval gewöhnten (Rhein-)Unterländer erscheint das Brauchtum
der Alpen oft ungestüm, wild und archaisch. Der Anblick von in
Fellen gehüllten, mit Furcht erregenden Holzmasken ausgestatteten
„Bootzen“, der mit Treicheln und Geißeln entfachte
Höllenlärm, die lodernden Frühlingsfeuer und die Kraft
raubenden Zweikämpfe der Schwinger mahnen eher an ein unzivilisiertes
Naturvolk als an das in den Städten und Agglomerationen sorgsam
gehegte Bild vom spießigen, sauberen und nüchternen Alemannen.
Als im vorletzten Jahrhundert Gelehrte begannen, sich für die Lebensweise
der Bergbewohner zu interessieren, sahen sie in den wilden Festen der
Bergler Überreste von heidnischen Kulten. Die Erklärung saisonaler
Bräuche als Naturmagie und heidnische Geisterbeschwörung hat
längst Eingang in Touristenprospekte gefunden.
Es gerät dabei oft in Vergessenheit, dass das Brauchtum, das uns
so „heidnisch“ entgegenkommt, Teil einer christlichen Kultur
ist und sich oft streng nach dem kirchlichen Jahr richtet. Zahlreiche
archaisch anmutende Sitten haben enge Beziehungen zur kirchlichen Lehre,
die allerdings zusehends in Vergessenheit geraten. Gleichwohl sind aber
einzelne Bräuche, wie etwa der Maibaum oder die Frühlingsfeuer
auch schon für die heidnische Zeit eindeutig belegt.
Es macht fast den Anschein, als passten sich brauchtümliche Formen
mit der Zeit verschiedenen weltanschaulichen Konzepten an. Das christliche
Europa wird bei der Gestaltung seiner Feste wohl auf die altbewährten
heidnischen Bräuche zurückgegriffen haben, mit dem Schwinden
der kirchlichen Macht scheinen Deutungen wie „alter Fruchtbarkeitszauber“,
„Geisteraustreiben“ oder „Totenkult“ wieder
wichtiger zu werden. Auch die Motivation der Brauchtumsträger selbst
ist keineswegs konstant. In den Städten hat oft das Bürgertum
alte Bräuche zu Repräsentationszwecken übernommen, heute
sind zum einen der Tourismus, zum anderen aber auch das „Heimatbedürftnis“
vieler Menschen die wesentlichen Motoren für das Weiterbestehen
der Folklore. Während bis in die fünfziger Jahre viel Energie
auf die Zähmung der oft überbordenden und degenerierten Bräuche
verwendet worden ist, meist mit Erfolg, zeichnet sich seit einigen Jahren
eine „Archaisierung“ besonders der Masken und Larven ab.
Im Brauchtum von Heute scheint der moderne Mensch den intuitiven Kontakt
mit der magischen Welt seiner wilden Ahnen zu suchen und offenbar zu
finden.
Winter-, Frühlings- und
Herbstfeste
Im Großen und Ganzen lassen sich die unzähligen alemannischen
Feste in drei Gruppen einteilen. Erstens die Maskenbräuche im Winter,
die im November beginnen und bis zur Fasnacht reichen und denen oft
etwas „Dämonisches“ und Unheimliches anhaftet, dann
die Frühlings- und Sommerbräuche,
in denen vor allem das Abbrennen großer Feuer im Zentrum steht,
und die Herbstfeste, bei denen getanzt und gezecht
und die Ernte gefeiert wird. Dies entspricht in etwa den drei Festen,
die die Germanen im Herbst, Winter und Frühling feierten und es
ist durchaus möglich, dass die heutigen Feste aus dem brauchtümlichen
Fundus dieser heidnischen Feiern geschöpft haben. Auch das Erbe
der romanischen und keltischen Bewohner unseres Landes dürfte Eingang
in die Folklore gefunden haben. Die Feiertage entstammen aber allermeist
dem Kirchenjahr.
Das Heer der Toten: Masken und Treicheln zur Mittwinterszeit
Die Mittwinterzeit ist die Zeit der Geister und Wiedergänger, der
„Bootzen“, wie sie bei den Walsern heißen. Dieser
Ausdruck bezeichnet auch die Nachtbuben, die zu dieser Zeit mit Masken
oder rußgeschwärzten Gesichtern umziehen, Lärm machen
und die Kinder in Angst und Schrecken versetzen. Besonders auf die hübschen
Mädchen haben es die rauen Gesellen abgesehen.
Auch die Krampusse im Vorarlbergischen gehören wie die Bootzen
hierher.
Die
schwäbisch-alemannische Fasnat
Größere Bedeutung als im inneralpinen
Gebiet hat die Fasnacht in der nördlichen Alemannia. Verglichen
mit den höchst alemannischen Lärmumzügen ist die „Fasnat“
ungleich fröhlicher und ausgelassener. Die Fasnachtstage werden
von den Akteuren als die Schönsten des Jahres empfunden. Mehr als
in allen anderen alemannischen Festen bricht sich in der Fasnacht die
ganze Lebenslust und Freude dieses sonst so ordentlichen und disziplinierten
Volkes Bahn.
Besonders die Niederalemannen nördlich und östlich des Rheins
kennen eine ungeheuer formenreiche, lebenslustige und wilde Fasnacht.
Wie ein warmer Frühlingssturm fegen die Narren und Hexen durch
die mittelalterlichen Dörfer und Städte des Schwarzwaldes
und des Schwabenlandes, entführen die schönen Mädchen,
fordern Lösegelder, werfen Blumen und Orangen oder aber beißende
Weizenspreu ins Volk und machen dem Bierernst der dunklen Wintermonate
den Garaus.
Die schwäbisch-alemannische Fasnacht besticht
neben ihrer kernigen, fröhlichen Wildheit vor allem durch die kunstvollen
Verkleidungen wie etwa das „Häs“, ein Meisterstück
der Näharbeit, und die kunstvoll geschnitzten Holzmasken. Die Narren
und Hexen sind in Zünften organisiert, die auch außerhalb
der Fasnacht eine wichtige Rolle für das lokale Leben spielen.
Guggenmusik
Im gesamten alemannischen Raum dominieren mittlerweile die Guggenmusiken,
mit Pauken und Posaunen bewaffnete Schmetterbands, die alte Schlager
schief spielen, die Fasnacht.
Überall, wo in der Alemannia Fansacht gefeiert wird, erscheint
sie als eigentliches Lokalheiligtum.
In vielen alemannischen Gebieten ist das Fasnachtsfeuer
der Höhepunkt des Festes. Es fällt meist auf den ersten Fastensonntag,
der daher Funkensonntag heißt.
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